Medizin
Schwere Folgen von Schwangerschaftsdiabetes vermeiden
27.08.2010 11:29
Die aktuellen Zahlen des Projektes „GestDiab“ des Bundes der
diabetologischen Schwerpunktpraxen Nordrhein (BdSN) bestätigen eine
Tendenz, die bisher zu wenig untersucht wird: Bei immer mehr Frauen wird
während der Schwangerschaft ein Diabetes diagnostiziert. Dies liegt vor
allem daran, dass immer mehr werdende Mütter übergewichtig oder sogar
adipös sind – die Hauptrisikofaktoren für einen GDM. Insgesamt 4,4
Prozent aller Frauen, die 2008 ein Kind zur Welt brachten, hatten einen
Diabetes mellitus. Bei den meisten, 3,4 Prozent, wurde die Diagnose
während der Schwangerschaft gestellt. Die tatsächliche Anzahl ist jedoch
höher. „Experten schätzen, dass in Deutschland immer noch mehr als 50
Prozent der Fälle übersehen werden“, betont PD Dr. med. Rainer
Lundershausen, Pressesprecher der DDG.
Unerkannt und unbehandelt sind die Folgen des Gestationsdiabetes hoch:
Ein größeres Risiko für Fehlgeburten, zu hohes Geburtsgewicht, häufige
Geburtskomplikationen mit Verletzungen des Neugeborenen und bleibende
Stoffwechselstörungen bei den Müttern gehören dazu. Aber auch mit der
Diagnose GDM haben die Betroffenen eine deutlich ungünstigere Prognose
als gesunde Mütter: „GestDiab“ wertete die freiwilligen Angaben von
bisher 16 diabetologischen Schwerpunktpraxen aus, die im Zeitraum
2008/2009 mehr als 1000 Schwangerschaften mit der Diagnose GDM
betreuten. Obwohl die Diagnose Diabetes während der Schwangerschaft
vorlag, wurde nur bei einem Drittel der Mütter nach der Schwangerschaft
ein Screening auf einen weiter bestehenden Diabetes vorgenommen. Dies
war bei sechs Prozent der Fall und rund die Hälfte hatte eine gestörte
Glukosetoleranz – eine Vorstufe des Diabetes. „Das bedeutet, dass jede
zweite Gestationsdiabetikerin in den zehn Jahren nach der Geburt an
einem Diabetes erkrankt“, erläutert Lundershausen.
Daten zur Häufigkeit und Versorgung bei Gestationsdiabetes liegen in
Deutschland bisher nur wenige vor. Das Projekt „GestDiab“ wird
weitergeführt, um konkrete Zahlen zu erhalten und um Therapiemaßnahmen
auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die bisher vorliegenden und
ausgewerteten Daten zeigen, so die Autoren der Veröffentlichung, dass
die GDM-Diagnostik vielfach zu spät erfolge und die Aufklärung und
Schulung insbesondere bei werdenden Müttern mit Migrationshintergrund
unzureichend sei. diabetesDE und DDG fordern deshalb, die
Diabetes-Untersuchung in die Vorsorgeuntersuchungen werdender Mütter
aufzunehmen, die die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren.
Quelle:
H. Adamczewski, D. Weber, L. Heinemann, M. Kaltheuner;
Betreuung von schwangeren Frauen in diabetologischen Schwerpunktpraxen
Diabetes, Stoffwechsel und Herz 19:99-109, 2010

